Wie gehen wir um mit der Welt, in der wir leben?

Die Abstände zwischen den Schreckensnachrichten in den Medien werden immer kürzer. Manche Menschen haben sogar selbst Gewalt erfahren oder sind den gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Turbulenzen auf andere Weise ausgesetzt gewesen. Etliche hängen an den Lippen der Medien, andere wählen, sich in ihr Privatleben zurückzuziehen. Wie lange ist dies sinnvoll und gibt es eine Alternative zum Schwelgen in Angst einerseits und zum bewussten Ignorieren des Weltgeschehens andererseits?

Beide Gruppen führen gute Gründe für ihr Verhalten an: Diejenigen, die sich auf dem neuesten Stand der Nachrichten halten, wollen sich wappnen gegen das, was ihnen zustoßen könnte. Sie denken an Krisenvorsorge und riskieren dabei bewusst oder unbewusst, vom Informationsfluss abhängig, beeinflusst und gelähmt zu werden. Diejenigen, die sich weigern,  sich mit den Szenarios aus Gewalt, Verletzung und Tod auseinanderzusetzen, haben ebenso gute Gründe. Sie fühlen, welch niedrig schwingende Energie darin gebunden ist, und wollen sich davon nicht hinunterziehen und aus ihrer Mitte bringen lassen. Das Weltgeschehen hat nichts mit meinem Leben zu tun, sagen sie und fokussieren sich ausschließlich auf das Positive in der eigenen Umgebung.

Zwischen Vertretern beider Positionen wird gestritten. Menschen beginnen einander zu meiden, wenn ihnen missfällt, wie andere mit der aktuellen Weltlage umgehen. Die einen stören die gewünschte Ruhe der anderen, die anderen werden von den einen als ignorant betrachtet. Statt miteinander agieren sie gegeneinander. Unmerklich setzt sich das brutale Dagegensein der Fanatiker und Attentäter im Sozialen fort, wenn auch mit den Mitteln des Wortes und der sozialen Kälte.

Ein paar abscheuliche Angriffe auf unser westliches Leben haben gezeigt, wie wenig die Demokratie im Einzelnen verwurzelt ist. Wären wir tolerant und hätten verstanden, dass alle Auffassungen sein dürfen und Lösungen gemeinsam erzielt werden müssen, gäbe es Beiträge wie diesen nicht. Stattdessen brechen zwischen Menschen, die noch nicht einmal in die Nähe dessen geraten sind, worüber sie sich zerstreiten, Gräben auf.

Im Café, beim Sport, auf dem Wochenmarkt und in Familien und Partnerschaften findet dies statt, zwischen Menschen also, die sich bis vor kurzem noch auf einer Wellenlänge sahen und als Mitglieder derselben Gemeinschaft. Dies ist gefährlich, viel gefährlicher als Angriffe von außen. Noch können wir kommunizieren und zueinander finden, doch wenn wir es gar nicht mehr wollen, hat die Spaltung der Gesellschaft gesiegt.

Die Demokratie beginnt in jedem einzelnen und beweist sich im Miteinander.

Das Problem hinter dieser Entwicklung ist, dass beide Gruppen aus Angst agieren: die einen vor dem, was im Außen passiert, und die anderen vor dem, gegen das sie ihr Leben verteidigen. Damit richtet sich die Angst beider gegen dieselbe Quelle. Wir wissen aus der Psychologie, dass uns das Verdrängte fester im Griff hat als das Bewusste. Ebenso hat uns das im Griff, wovon wie abhängig sind. So nehmen die negativen Nachrichten beide Gruppen ein: die einen können nicht mehr ohne die Medienpräsenz in ihrem Leben und die anderen binden sich dadurch, dass sie die Informationen ablehnen, ähnlich stark an dieselben.

Wie kann es anders gehen? Wie können wir uns positionieren zwischen den Haltungen Die Welt ist schrecklich und dem Untergang geweiht und Das Leben war noch nie so gut wie heute, Schuld sind nur die Medien, die uns in Angst versetzen?

Zunächst einmal gilt: Es muss anders gehen; denn es ist destruktiv vor dem Fernseher, Computer oder einer Zeitung zu sitzen und sich von Schreckensbildern berieseln zu lassen – dies trägt nichts zur Verbesserung des Weltgeschehens bei. Im Gegenteil, das Durchdenken der Amokläufe, Attentate und anderer Katastrophen wiederholt und stärkt die negative Energie und speist immer mehr davon ins morphogenetische Feld, und zwar von Menschen, die selbst gar nicht zerstörerisch sein wollen.

Ebenso widersinnig ist das Credo, dass jeder sein eigenes Umfeld in Ordnung zu halten habe; denn wenn eine große Welle der Veränderung, womöglich der Zerstörung auf uns zurollt, dann ändern wir daran nichts Wesentliches, wenn wir sie als intakte Gemeinschaften erwarten.

Natürlich schafft es eine existentielle Basis, mit sich selbst in Frieden zu sein, und ebenso für Frieden im eigenen Umfeld zu sorgen. Ebenso wichtig ist es, informiert zu sein, jedoch nicht, um schreckliche Details zu kennen, sondern um die Zusammenhänge zu begreifen zwischen all dem, was geschieht, und daraus schlussfolgern zu können, wozu dies jeden auffordert. Aber damit erschöpfen sich die eigenen Möglichkeiten noch nicht.

Im Namen der Liebe sollten uns alle und alles gleich wertvoll sein.

Wir haben als Menschen mehrere Aufgabenbereiche, nämlich uns um uns selbst zu kümmern, um unser privates und berufliches Umfeld und um die Gemeinschaft und – sofern dies unserem Weltbild entspricht – um unsere Beziehung zu Gott. Dazwischen zu wählen ist nicht die Lösung, sondern auf jeder Ebene seinen Beitrag zu leisten, zählt.

Doch nicht irgendein Beitrag ist gefragt, sondern der richtige. Was jeder einzelne zu geben hat, kann nur jeder selbst entscheiden. Wenn es aus dem Herzen gespeist wird, stimmt es. Kommt es aus bloßer Resignation oder Notwendigkeit – Arbeiten um zu leben – fehlt meistens etwas. Authentische Beiträge jedes einzelnen brauchen wir in einer Zeit umso mehr, die turbulent ist und sich schnell zuspitzt, die aber doch Raum lässt zu beeinflussen, wie die Entwicklung abläuft, in der wir uns befinden.

Wir leben zurzeit nicht in einem paradiesähnlichen Frieden, der von ein paar Terrorakten gestört wird. Wir erleben aktuell, wie die Welt in Aufruhr gerät und sich umwälzt. Die Attentate in Europa sind nur ein schwaches Echo der Zustände, um die es wirklich geht.

Krisen- und Kriegsgebiete breiten sich aus und Staaten zerfallen in Afrika wie in der arabischen Welt, Demokratien wandeln sich in Diktaturen wie in der Türkei, und Ordnungen wie die EU zerbrechen. Beinahe weltweit ist ein Säbelrasseln zu vernehmen, das auch Atomwaffen einbezieht. Die Umwelt und jeder einzelne vergiftet immer mehr, Naturkatastrophen gehören inzwischen auch in Europa zum Alltag. Das Finanzsystem steht vor dem Zusammenbruch und Wirtschaftskriege herrschen auch unter sogenannten Verbündeten. Die Erde und die Menschen werden teils offensichtlich, teils unbemerkt unterdrückt und ausgebeutet. Es gibt keine allgemeine Vision, keine Instanz und kein gelebtes Modell, das derzeit einen Ausweg aus dieser Situation aufzeigen würde.

Weil eine große Vision fehlt, wird unser Beitrag zum Weltgeschehen umso mehr gebraucht.

Gleichzeitig werden sich immer mehr Menschen bewusst, dass sie mehr sind als Körper und Gedanken und dass es im Leben um mehr geht als um Spaß und Konsum oder auch blinde Gefolgschaft, sei es im religiösen oder politischen Bereich. Vielmehr erwachen Menschen zu ihrem wirklichen Sein, oftmals über Wege der Spiritualität. Es gibt auch etliche Initiativen, die alternative Lösungen zu den bestehenden Missständen erarbeiten und verwirklichen: ökologische Landwirtschaft und Produktion, alternative Zahlungsmittel, ganzheitlicher Umgang mit der eigenen und der gesamten Natur, gewaltfreie Kommunikation, Gemeinschaften, die ein neues Miteinander leben, und vieles mehr.

Doch gegen das Maß an Bedrohung und Zerstörung, dem wir und die Erde ausgesetzt sind, haben diese Initiativen noch wenig Chance. David kämpft gegen Goliath. Und zwei Gruppen werden darüber entscheiden, wer gewinnt:  die im Bann der Medien Stehenden, die sich von diesen in ihrem eigenen Denken und Tun lähmen lassen, und die Weltflüchtigen, die sich vorgaukeln, alles sei und würde gut, wenn sie die Zustände nur nach Kräften ignorierten.

Derjenige ist jedoch nur frei, der nüchtern und objektiv betrachten kann, wie die Lage ist, der sich von dem, was er sieht, hört und erlebt, nicht aus seiner Mitte, seiner Gelassenheit, seinem Vertrauen bringen lässt, weil er weiß, wer er ist und dass nichts daran etwas ändern kann, und der auf dieser Basis in ein fruchtbares Handeln gehen kann, freudig, mit offenem Herzen und den besten Ergebnissen. Von diesen Menschen brauchen wir mehr. Diese Menschen können wir alle sein. Jeder, der gerade gebannt auf die Bildschirme voller schrecklicher Bilder starrt oder sich die größte Mühe gibt, nichts mitzubekommen, bringt sich selbst um die Chance, den besten eigenen Beitrag zu leisten in einer so wichtigen Zeit.

Deutschland hat viel Bemerkenswertes hervorgebracht; Demokratie gehört jedoch nicht zu seinen ureigenen Errungenschaften. Dafür haben gerade Deutsche unter dem Mangel an Demokratie besonders gelitten und andere leiden lassen. Dass wir seit Jahren die dennoch erworbene Demokratie und Rechtsstaatlichkeit achtlos wegschenken, mag daran liegen, dass viele von uns nicht selbst für sie gekämpft haben. Da das Gleiche auch in Ursprungsländern der Demokratie, wie z.B. Frankreich, stattfindet, zeigt darüber hinaus, dass Menschen im westlichen Europa nicht wertschätzen und erhalten, was sie haben, und nicht wach genug sind zu begreifen, auf welch ungemütliche Zukunft sie zugehen, wenn sie ihre demokratischen Rechte verlieren. Bevor wir Sätze sagen, wie: Ich kann sowieso nichts ändern, müssen wir es doch zumindest versuchen.

Wir Menschen sind soziale Wesen und können uns auf die gesamte Welt beziehen.

Wir müssen wieder begreifen, wie wichtig die Rechte sind, die wir (noch) haben, und dass diese Rechte keine beliebigen sind, sondern pflichtbasiert in unserem Eigeninteresse. Also müssen wir von diesen Rechten wieder Gebrauch machen. Wir müssen wieder wählen, nicht zwischen alles (= jegliche Information) und nichts (= keinerlei Information), nicht zwischen Selbstaufgabe oder Abkehr von allem, nicht nur Politiker, die uns vertreten, sondern wir müssen eine kluge Wahl treffen, die unterscheiden kann zwischen wahr und falsch, zwischen Recht und Unrecht, zwischen Unterlassen und Handeln.

Vorher müssen wir unseren Geist weiten, damit er mehr erfasst als Engstirnigkeit, einseitig gefasste Meinungen und pauschale Urteile. Nur die großen Wahrheiten sind absolut, das Leben ist relativ. Wir sind so gut ausgebildet, geschult im Denken, haben Zugang zu vielerlei Informationsquellen, haben die Zeit und die Mittel, uns einzusetzen für Ziele – wer, wenn nicht wir, wird aktiv unsere Zukunft gestalten? Wer wird sich uns zuwenden, wenn wir uns von uns selbst und von der Gegenwart, in der wir leben, abwenden?

Dann müssen wir in uns selbst stabil werden, damit wir unsere Handlungen aus uns heraus bestimmen, statt uns herumschubsen zu lassen und auf äußere Impulse zu reagieren. Dazu bedarf es Stille, Vertrauen und Verbundenheit. Auf dieser Basis gedeiht die Liebe zu allem und allen. Und aus dieser Liebe erfolgt das richtige Tun.

Laden Sie sich selbst ein mitzuhelfen, eine Welt zu erschaffen, die besser ist als die, in der wir leben. Und tun Sie dies auf der Basis dessen, was ist, und nicht auf der Basis von Alpträumen oder Wunschträumen. Das was heute ist, wird morgen nicht mehr sein – dies gilt im Positiven, wie im Negativen. Sorgen wir dafür, dass sich das Positive verwirklichen kann. Wenn wir auf die menschlichen Systeme in dieser Welt schauen, in jeden Winkel der Wirtschaft, Politik, Bildung, Kultur usw., und uns freuen, weil alles in Ordnung und Harmonie erscheint, dann leben wir in der besten Welt, die möglich ist.