Was können wir tun, damit Ehen öfter und besser gelingen?

Wie wir in Teil I http://www.transformaktiv.com/gedanken-zur-ehe/#more-460 gesehen haben, ist die glückliche Ehe nur wenigen Paaren beschieden. Welche Möglichkeiten bleiben all den anderen? Sind wechselnde Beziehungen, Beziehungen unter innerem wie äußerem Vorbehalt oder Singledasein die einzigen Alternativen? Oder können wir das Thema Ehe so angehen, dass es viele von uns glücklich macht?

Wir wissen, dass nur wenige Paare langfristig miteinander sowie in ihrem eigenen Leben erfüllt bleiben, falls sie es überhaupt waren, als sie zusammenkamen. Bei den meisten treten mit der Zeit Langeweile, Überdruss und auch ein Machtgefälle ein. Wir beobachten, dass es der menschlichen Natur widerspricht, nach dem Eintritt in eine Ehe oder Lebenspartnerschaft andere potentielle Partner/innen zu ignorieren. Jede Party, viele Pärchentreffen sowie reine Frauen- und Männergruppen wären sterbenslangweilig (denken wir), hätte jeder nur seine glückliche Beziehung im Kopf. Nein, auch gebunden flirten wir weiter – verhohlen oder unverhohlen.

Lassen Sie uns deshalb beleuchten, worum es bei einer Lebenspartnerschaft wie der Ehe geht. Warum lassen Menschen sich auf dieses Miteinander ein? Um zu zeigen, dass sie sich füreinander entschieden haben, um gemeinsam durchs Leben zu gehen, um sich zu unterstützen oder um Kinder zu bekommen. Doch warum tun wir all dies? Welche Gefühle führen zu dem Wunsch nach einem Miteinander? Menschen möchten nicht allein sein, sich nicht einsam fühlen. Sie möchten sich im Gegenteil zugehörig fühlen und denen, denen sie sich zugehörig fühlen, verbunden. Verbundenheit gibt uns das Gefühl von Sicherheit, von Identität. Ohne Verbundenheit fühlen wir uns, als ob wir im leeren Raum schwebten. Tatsächlich fühlen die meisten Menschen sich getrennt, innerlich weit weg von den anderen und dem Gefühl der Geborgenheit. Und diese Leere treibt uns auf die Suche nach einem Halt.

Jeder möchte sich verbunden fühlen, doch die meisten fühlen sich getrennt

Es genügt Menschen jedoch nicht, sich irgendjemandem verbunden zu fühlen. Wir wählen aus. Es gibt unzählige äußere Kriterien, wie Aussehen, Bildung, Herkunft, Alter, die unsere Entscheidung beeinflussen, aber es kommt vor allem ein inneres Gefühl hinzu, dass dieser Mensch mir wichtiger ist als andere, dass ich ihm oder ihr näher kommen möchte als anderen, dass zwischen uns etwas Besonderes schwingt. Dieses Gefühl empfinden wir als Hingezogensein, Vertrautheit, Interesse, Wärme, Lust, und wir nennen es Liebe. Unsere zuweilen unbewusste Motivation lautet also: Ich möchte verbunden sein, und zwar mit Dir, weil ich Dich liebe. Wie wir schon gesehen haben, führt dies in wenigen Fällen zu einer dauerhaft glücklichen Liebesbeziehung. Was also läuft falsch?

Liebe ist eine Energie, die aus unserem Herzen strömt und aus anderen Herzen zu uns strömt. Je offener wir in unserem Herzen sind, desto stärker fließt diese Energie. Sie ist zwar stets vorhanden, aber kommt nur in ihre volle Kraft, wenn wir sie nicht behindern, z. B. durch ängstliche Gedanken. Liebe fließt am besten frei und am schlechtesten, wenn wir vorzugeben versuchen, wohin sie fließen darf: Ich liebe die Pflanzen in meinem Garten, aber nicht die des Nachbarn. Ich liebe das süße Hündchen meiner Freundin, aber nicht ihre abweisende Katze. Ich liebe meinen Mann, aber nur ihn, und ich erwarte, dass auch er nur mich liebt.

Hierin liegt unser erster Irrtum. Wir meinen, wir könnten unserer und der Liebe anderer Menschen befehlen, wohin sie fließen dürfen und wohin nicht und dass sie sich beschränken müssen. Damit allerdings beschneiden wir unsere Liebesenergie in einem Maße, dass sie nicht strömt, sondern tröpfelt. Denn zusammen mit der Liebe fließt nun ein mächtiger Strom der Angst: Die Pflanzen des Nachbarn könnten meinen das Sonnenlicht nehmen. Die abweisende Katze wird mich bestimmt eines Tages beißen. Andere Männer oder Frauen bedeuten Konkurrenz für unsere Beziehung, deshalb dürfen wir sie nicht mit Liebe nähren, sondern müssen uns vor ihnen schützen.

Wir lieben entweder alles und jeden oder gar nicht

Gehen wir davon aus, dass es unser menschliches Grundbedürfnis ist zu lieben, begreifen wir, dass solche Beziehungen uns von unseren Herzgefühlen abschneiden, deren Bedingung lautet, Liebe dürfe statt frei und ungehindert nur kontrolliert nach den Gesetzen beider Partner fließen. Gegründet im Namen der Liebe werden diese Ehen und Lebenspartnerschaften zu einem Miteinander der Angst – Eifersucht, Kontrolle, Manipulation und Gefühlsarmut sind die Symptome – und verdienen die Bezeichnung Liebesbeziehung nicht. Schlimmer noch: Beide Partner geben auch einander nicht die Liebesfülle, die sie brauchen. So werden beide unerfüllt und unzufrieden.

Schließlich suchen sie nach alternativen Liebesquellen; denn Liebe als Kraft möchte sich immer durchsetzen, so wie auch Licht, Freiheit, Freude sich durchsetzen. Sie wird irgendwann den Beziehungskäfig durchbrechen und ins Leben treten. Auslöser ist oft ein Mensch, der nach langer Zeit anbietet, was vermisst wurde, manchmal auch ein Naturerlebnis, eine Begegnung mit der Kunst oder die Erfahrung von Schmerz, Krankheit und Tod. Während wir in solchen Situationen meinen, es gehe um den Katalysator, ist dieser in Wahrheit nur ein Hilfsmittel, das uns zurück zur Liebe führt. Dass unsere Herzensenergie wieder frei strömt, muss keine Trennung vom Partner nach sich ziehen. Vielmehr können beide an dieser Erfahrung wachsen.

Beleuchten wir nun unseren Wunsch nach Verbundenheit. Wir suchen einen Partner oder eine Partnerin, weil wir meinen, uns zu zweit vollständiger zu fühlen als allein. Doch hinter diesem Drang wirkt die Wahrheit, dass wir Teil eines Ganzen sind und mit allen Bestandteilen dieses Ganzen verbunden, dass wir dies nur vergessen haben und auch vergessen haben zu fühlen. Erwecken wir dieses Bewusstsein aus seinem Schlaf, fühlen wir die Verbundenheit, fühlen uns getragen, gesehen, wichtig an unserem Platz und geliebt. Sätze wie: Wir sind alle eines, bekommen plötzlich Bedeutung. Für unsere Beziehungen und Ehen hat dies zur Folge, dass wir unser Bedürfnis nach Verbundenheit von den Schultern unserer Lebenspartner nehmen. Eine große Verantwortung entfällt damit, aber auch ein wichtiger Beweggrund, Beziehungen einzugehen.

Wie die Liebe umfassend ist, fühlen wir uns auch entweder mit allem verbunden oder gar nicht. Wir können nicht wählen, hier Verbundenheit zuzulassen und sie dort abzulehnen, ohne sie so einzugrenzen, dass wir sie kaum oder gar nicht fühlen. Wahre Verbundenheit trägt uns wie ein unsichtbares, doch stets vorhandenes Netz. Wir müssen uns nicht rückversichern oder etwas für seinen Bestand tun. Wir brauchen uns nur bewusst zu machen, dass es vorhanden ist.

Was, außer Liebe und Verbundenheit, motiviert uns noch zur Ehe?

Wenn also Liebe und Verbundenheit menschliche Grundbedürfnisse sind, die gar nicht an Partnerschaften gebunden sind bzw. die in vielen Beziehungen sogar eher verkümmern als erblühen, was bedeutet dies für unser Paarverhalten? Welche Motivation haben wir noch zur Ehe, wenn unsere Liebe einmal erweckt und unser Verbundenheitsgefühl intakt ist? Nun, wir können immer noch Gefährten sein, die Ziele, Werte, Interessen teilen und um des Teilens willen lieber gemeinsam als allein durchs Leben gehen. Wir können immer noch Familie gründen und sein wollen. Wir fühlen uns immer noch manchen Menschen näher, vertrauter, ähnlicher als anderen. Doch wir werden dieses Miteinander entrümpeln: Du bist nicht mehr das einzige Ziel meiner Liebe, sondern eines neben allen anderen. Du bist nicht mehr dafür verantwortlich, dass ich mich verbunden, also aufgehoben, umsorgt und gut fühle, sondern ich fühle mich verbunden und mit Dir teile ich bestimmte Erfahrungen.

Auch Sexualität verknüpfen wir mit dem Gefühl der Verbundenheit und Liebe – wir verbinden uns körperlich (und energetisch) mit einem Menschen, um im Moment des Orgasmus eine tiefere bzw. höhere Verbundenheit zu fühlen und zumindest im Ideal stellen wir uns vor, dass Sex und Liebe zusammenfallen. Fühlen wir uns verliebt, gaukelt uns dieser Zustand vor, wir liebten und würden wiedergeliebt. Ist er vorbei, wissen wir es besser: Vermeintliche Liebe war Lust. Selbstverständlich kann Liebe aber sexuell ausgedrückt und erfahren werden. Nachdem wir jedoch Liebe und Verbundenheit auch ohne Sex erleben können – wen und wie viele Menschen suchen wir uns als Intimpartner und welche Rolle spielt Sex in unserem Leben überhaupt?

Auch Sex bekommt eine neue Bedeutung

Wir brauchen Sex in zwei Fällen: Wenn wir bewusst einer neuen Seele einen Körper schenken möchten, also ein Kind bekommen, und wenn wir eine spirituelle Erfahrung der Verbundenheit machen möchten, die auf körperlich-sexuellem Weg stärker ist als in unserer rein geistigen und emotionalen Wahrnehmung. Beides tun wir nicht mit irgendjemandem. Wir tun es mit Menschen, die diese Erfahrung mit uns teilen können und wollen.

Falls Sie jetzt denken: Wovon schreibt sie? Sex ist für mich Entspannung, Spaß, Befriedigung eines Grundbedürfnisses, dann ist mir dieser Drang wohlbewusst. In einem späteren Blogpost zum Thema Sex werde ich darauf eingehen. Doch wenn wir herausfinden möchten, wie wir Lebenspartnerschaften dauerhaft liebend und lebendig gestalten, dann kommen wir mit den herkömmlichen Denk- und Verhaltensmustern nicht zum Ziel. Unseren Körper sexuell mit Hilfe eines anderen Körpers zu befriedigen, wirkt mit der Zeit ernüchternd. Jeder sexuell Aktive erfährt dies irgendwann. Wenn wir unser Bedürfnis nach Verbundenheit und Liebe (Anerkennung, Geborgenheit, Wärme, Zuneigung etc.) aber von Ehe und Sex gelöst haben und es auf jeder Ebene erfahren, verändert sich auch unsere Sexualität. Wir empfinden, wenn wir uns offen und liebevoll mit unserer Umwelt austauschen, weniger rein sexuelle Lust, weil unsere Bedürfnisse nach Nähe, Körperkontakt, Austausch etc. bereits erfüllt sind.

Sich andererseits Monogamie zu verordnen, ist so erfolglos, wie unsere Liebe auf einen Menschen zu beschränken. Doch deswegen müssen wir nicht wahllos werden. Wir können sexuelle Impulse, statt sie körperlich auszuleben, in Kreativität umsetzen. Und wir können unsere sexuellen Erlebnisse bewusst wählen, und wenn wir wählen, dann wertschätzen wir diese Erfahrung und lassen sie nachhallen.

Deshalb gibt es nur einen Weg zu gehen:

  • Verbundenheit mit allem fühlen lernen und bewusst erleben,
  • Liebe frei fließen lassen und sie geistig, emotional und körperlich (nicht sexuell) ausdrücken,
  • Sexuelle Lust unterscheiden von anderen Bedürfnissen, wie Nähe, Geborgenheit, Wärme, Anerkennung, Entspannung.

Um es auf den Punkt zu bringen: Wenn Sie Liebe und Verbundenheit suchen als einen dauerhaft tragfähigen Zustand, dann werden Sie ihn nicht in einer Paarbeziehung, sondern nur in Ihrer Beziehung zur Quelle finden, zu Gott, zu allem, was ist. Nur dort herrscht Unveränderlichkeit; Menschen hingegen wandeln sich, auch in ihren Gefühlen. Paradoxerweise sind wir umso stabiler in unseren Gefühlen, je verbundener und liebevoller wir geworden sind. Damit werden wir umso bessere Gefährten oder Gefährtinnen, Partner für spirituell-sexuelle Erfahrungen und Eltern.

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