Es gibt nur zwei Voraussetzungen, unter denen eine Ehe lebenslang hält

Unter einer Voraussetzung hält eine Ehe oder Partnerschaft in der äußeren und inneren Form, und unter einer zweiten Voraussetzung hält sie auch im Herzen zweier Menschen lebenslang; denn nur eine der beiden Varianten macht glücklich. Alles andere sind die bekannten Szenarios eines wechselvollen Beziehungslebens. Was bedeutet dies für uns?

Um mit der unglücklichen Variante einer stabilen Ehe zu beginnen: Sie besteht entweder darin, dass es eine, meist stillschweigende, Übereinkunft gibt, dass sich beide Partner nicht über die gemeinsame Schnittmenge hinaus entwickeln. Oder sie besteht darin, dass sich nur ein Partner entwickeln darf und der andere ihn bzw. sie dabei unterstützt, oft gegen eine Leistung wie Sicherheit, Versorgung etc.

In diesem letzten Fall gibt es ein Machtgefälle zwischen den Partnern, nämlich derjenige gibt den Ton an, der die Entwicklung für sich beansprucht. Im ersten Fall sind beide Partner gleich stark und können folglich ihre Macht nur insofern ausüben, als sie den anderen an seiner Entwicklung um den Preis der eigenen Entwicklung hindern. Gerade dies schweißt beide auf Dauer zusammen; denn je mehr ein Mensch stagniert, desto weniger Mut bleibt ihm oder ihr, ins lebendige Leben aufzubrechen. Zwei voneinander Abhängige brauchen einander. Die einstigen Gefühle füreinander frieren in solchen Verbindungen meist ein.

Wann immer das Potential eines (oder mehrerer) Menschen ungenutzt bleibt, ist dessen oder deren innere Zufriedenheit beeinträchtigt. Fehlende Entfaltung verursacht fehlende Erfüllung. Und fehlende Erfüllung macht in der Tiefe unglücklich. Besitz und Sicherheit können dies nicht ausgleichen. Der Unterschied besteht nur darin, dass entweder beide Partner unglücklich werden oder nur einer von ihnen – von der raren Ausnahme abgesehen, dass die persönliche Erfüllung des Unterstützers genau dadurch erfolgt, den Partner in seiner Entwicklung zu fördern. Damit ist nicht gemeint, dass die Liebe zum anderen oder die Feigheit vor dem Leben groß genug bzw. zu groß wäre, sich selbst dafür aufzugeben. Es bedeutet, dass neben dieser Liebe das eigene Glück darin liegt, diesen anderen Menschen auf seinem Lebensweg zu fördern.

Das eigene Potential entfalten zu können, ist ein Schlüssel zum Ehe-Glück

Die glückliche Variante einer Ehe oder Lebenspartnerschaft besteht darin, dass sich beide Partner in so ähnlicher Weise entwickeln wollen, dass sie sich gegenseitig ergänzen und nicht im Wege stehen. Diese Beziehungen werden davon, dass sich beide Beteiligte frei entfalten, nicht beeinträchtigt, sondern gefördert. Zumindest sind sie mit dieser Entfaltung vereinbar. Diese zwei Menschen gehen ihren Entwicklungsweg, begleiten sich gegenseitig auf diesem Weg und bleiben einander durch alle Phasen hindurch tief verbunden. Diese Verbundenheit halten sie bewusst wach.

Da es sich um die lebenslange Entfaltung zweier Menschen handelt, die oft stufenweise verläuft und unvorhersehbare Wendungen nimmt, kommt es in nur wenigen Fällen vor, dass der Weg zweier miteinander liierter Menschen übereinstimmend verläuft. Es wäre unrealistisch zu erwarten, dass jeder Mensch einen solchen Partner im Leben trifft, sobald er bindungsbereit ist. Da wir uns aber binden wollen und meinen, nicht zu wissen, was noch komme, wählen wir oft einen Kompromiss.

Vor allem aus diesem Grund scheitern die meisten Ehen und Beziehungen. Der oder die Geliebte, ein neuer Job an anderem Ort oder was uns das Leben sonst noch anbietet sind jeweils nur die Auslöser, die das zuvor begonnene Auseinanderleben deutlich werden lassen. Seien wir einmal ehrlich: Tragen Sie noch die Winterjacke, die Sie mit 20 hatten? Fahren Sie noch Ihr erstes Auto? Wohnen Sie in derselben Wohnung wie vor 30 Jahren? Hören Sie noch ausschließlich die Musik Ihrer Jugend? Sitzen Sie noch an dem Arbeitsplatz, an dem Ihr Berufsleben begann? Essen Sie am liebsten Spaghetti mit Tomatensauce?

Warum nicht? Wir entwachsen den Dingen, die uns einmal alles bedeuteten, indem wir im Leben fortschreiten und uns verändern. Unsere Einstellungen, Wünsche, Gefühle, Gedanken, unsere Fähigkeiten und unser Handeln wandeln sich. Wir sind noch der Mensch, der wir einmal waren, und sind es doch nicht mehr. Dies ist gut und richtig so. Wer wären wir, würden wir bereits in der Adoleszenz stagnieren?

Nicht die Dauer, sondern die Qualität entscheidet über den Wert einer Ehe

Doch während wir all diese äußeren Dinge ablegen und uns neue zulegen und darauf stolz sind, haben wir an Ehen und Lebenspartnerschaften den Anspruch, sie sollten für immer halten. Selbst wenn wir in diesen schon gescheitert sind und gute Gründe dafür erkennen, selbst wenn wir offen dazu stehen, dass heute alles lockerer ist und die Ehe ohnehin unmodern, bleibt ein ungutes Gefühl.

Oder sagen Sie: Dies war meine erste Frau (mein erster Mann)! Schau mal! Und jetzt habe ich diese (n)! Auch toll! In der Regel gehen wir verschämter vor, mit einem Schuldgefühl über die Verletzungen, die wir zugefügt und erlitten haben, oder mit Ärger über unsere ungünstige erste Wahl. Und wer, der in einer lebenslangen Ehe oder Beziehung lebt, kann schon sagen: Ich liebe meinen Mann bzw. meine Frau, anders, aber genauso sehr wie damals, als wir uns miteinander verbunden haben. Ich würde mich auch heute wieder für ihn oder sie entscheiden.

Dieser Punkt ist maßgeblich: Nicht die einmal getroffene Entscheidung füreinander um jeden Preis durchzuziehen, entspricht unserer Zeit, sondern sich täglich oder in anderen regelmäßigen Abständen zu befragen: Entspricht die Ehe oder Beziehung, in der ich lebe, meinem Herzenswunsch? Gerade weil äußere Faktoren bei der Wahl des Ehepartners eine wichtige Rolle spielen – Kann ich mit diesem Menschen etwas aufbauen, wird er ein guter Vater sein, kann sie sich um eine Familie kümmern, kommen wir finanziell zurecht, bleibt unser Leben interessant? – sollten wir so früh wie möglich die Herzensfrage wiederholen.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir nicht mehr aus Gründen der Sitte, Religion, des Rechts oder wegen des sozialen oder finanziellen Überlebens beieinander bleiben müssen. Auch heute sind Scheidungen teuer, sie reißen Familien auseinander und fügen, wie jede Trennung, Schmerzen zu, doch wir überleben sie, oft sogar besser, als wir denken. Wir tun also gut daran, wenn wir die alten Maßstäbe des Nur zu zweit bin ich vollständig und Einmal für immer verabschieden und durch Wahrhaftigkeit ersetzen.

Wahrhaftigkeit in dem Sinne, jedes Jahr ein neues Auto zu kaufen, alle zwei Jahre das Haus komplett zu renovieren und sich folglich jedes Mal einen neuen Partner dazu einzuladen? Nein. Wahrhaftigkeit in dem Sinne: Mit welchem Menschen möchte ich den Lebensabschnitt verbringen, den ich von diesem Moment an überblicken kann? Welcher Mensch fühlt sich neben und mit mir so gut an, dass ich nicht an ein Ende denke? Welcher Mensch respektiert mich in meinem Sein und lässt mir die Freiheit, mich über meine heutigen Grenzen hinaus zu entwickeln? Welchen Menschen kann ich in dem Vertrauen ziehen lassen, dass er oder sie freiwillig und gerne zu mir zurückkommt? Und wenn es diesen Menschen gerade nicht gibt: Was ist schlimm daran, den nächsten Abschnitt meines Lebenswegs allein zu gehen?

Vor allem am unehrlichen Umgang mit sexuellen Bedürfnissen scheitern viele Ehen

Es sind drei Ebenen, die in einer Ehe oder Beziehung funktionieren müssen. Die Herzebene: Der andere muss mir wichtig sein, sein/ihr Wohlergehen liegt mir am Herzen, ich habe ihn/sie gerne und fühle eine außergewöhnliche Nähe und Verbundenheit. Die Kopfebene: Wir führen eine offene, aufrichtige Kommunikation, haben gleiche Werte und Interessen und tauschen uns gerne aus. Wir können auch schweigen und einander innere Freiräume gestatten. Die Körperebene: Wir passen sexuell zusammen. Ich genieße Zärtlichkeit und Intimität mit Dir und entwickle meine Erotik zusammen mit Deiner. Ich fühle auch sexuell eine Verbundenheit mit Dir.

Oft ist es Sex, an dem Ehen scheitern oder zumindest unglücklich machen. Haben beide Partner unterschiedlichen Appetit, muss der oder die eine die eigenen Bedürfnisse entweder unterdrücken oder anderweitig ausleben. Aber selbst bei ähnlichem Appetit kommt auch sexuell der Punkt, an dem wir unseren Horizont erweitern möchten. Fusion Food statt Nudeln mit Tomatensauce reizen uns jetzt.

Manchmal klappt dieser Schritt gemeinsam. Wenn nicht, wird es schwer. Denn wir wünschen uns selten, einmal unsere Alltagsgewohnheiten mit jemand anderem zu teilen, nur um der Erfahrung willen. Auch alternative Gesprächspartner finden wir, wenn wir es wollen. Doch Intimität auf andere Weise und mit anderen Menschen zu erleben reizt. Es gilt hier, was für die Ehe gilt: Den wenigsten gelingt es ein Leben lang, nur miteinander sexuell glücklich zu bleiben. Statt sie zu verdrängen, offen mit den eigenen Wünschen umzugehen, sich selbst wie dem Partner bzw. der Partnerin gegenüber, ist der erste wichtige Schritt.

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