Neurodermitis – eine Qual und eine Chance

Neurodermitis ist wirklich eine Qual. Doch das Schwierigste sind die Neurodermitis-Kranken selbst. Dabei können sie gesunden. Mit dieser bewussten Provokation lade ich Sie ein weiterzulesen. Vielleicht gilt meine Feststellung auch für andere Krankheiten, doch dies kann jeder selbst beurteilen.

Neurodermitis ist schlimm. Die Haut juckt und schmerzt, das Kratzen und der ständige Entzündungs- und Heilungsprozess ermüden. Hinzu kommen die schlaflosen Nächte, weil die Beschwerden nachts am stärksten sind bzw. ungehindert hervortreten. Der Alltag schränkt ein. Was für andere Menschen normal ist, bereitet den Betroffenen Umstände: Duschen, Körperpflege, Kleidung, Ernährung usw. Vieles unterlassen Betroffene von vornherein, weil die Haut es nicht toleriert oder die Scham, sich zu zeigen, zu groß ist: Sauna- und Schwimmbadbesuche, Sport, Camping, Auftreten vor Publikum oder in Gesellschaften etc.

Die aktuelle Schulmedizin, die sagt, die Krankheit sei genetisch bedingt, und daraus folgert, sie wäre unheilbar, trägt dazu bei, dass die Betroffenen in der Neurodermitis gefangen bleiben. Was die meisten Ärzte anzubieten haben – Cremes, Lotionen, Bäder, UV-Bestrahlung, Nahrungsergänzungsmittel u. ä. –,  lindert maximal die Symptome. Manchmal zeigt sich auch gar kein Effekt oder der Effekt klingt nach kurzer Zeit wieder ab. Dass Neurodermitis unheilbar und damit lebenslänglich sein soll, führt dazu, dass Betroffene selbst in schubfreien Phasen, die es durchaus gibt, Angst davor haben, dass die Symptome wieder auftreten; denn sie wissen dann ja nicht, was sie dagegen unternehmen können. Dies führt zu Stress. Dass wirksame Heilmittel fehlen, öffnet die Tür zu Kortison, einer Scheinlösung mit Nebenwirkungen.

Der Neurodermitis-Kranke steht sich selbst im Weg, ohne es zu merken

Ich hatte selbst 30 Jahre lang Neurodermitis. Sie ist nicht irgendwie verschwunden, sondern ich habe sie gezielt geheilt, und zwar nicht mit einem Wundermittel, sondern über einen vielschichtigen Weg. Ich weiß also, wovon ich spreche, und nehme mich selbst nicht aus, wenn ich nun den Neurodermitis-Kranken in die Seele schaue oder besser: in ihren Kopf und ihre Psyche.

Bei allem Leid, das sie erfahren, sollte man meinen, dass sie zugreifen, wenn ihnen Heilungswege angeboten werden. Doch dies ist oft nicht der Fall. Vehement verteidigen viele ihre Krankheit als unheilbar, weisen auf ihren angeschlagenen Zustand hin und schlussfolgern daraus, welcher Hohn es sei, ihnen einen Ausweg aufzuzeigen (den es nicht geben könne) und bezichtigen die Helfer schließlich der Quacksalberei. Ich habe es selbst erfahren, als ich 2008 mein Buch „Gefangen Geheilt in Neurodermitis-Haut“ veröffentlichte, weil ich andere Betroffene mit meiner Erfahrung motivieren wollte. Die einen habe ich erreicht, die anderen haben mich verunglimpft.

Wie konnte es dazu kommen, dass der natürliche Wunsch nach Heilung dermaßen ausradiert ist? Hat die Schulmedizin mit ihrem Dogma der Unheilbarkeit Gehirnwäsche geleistet? Oder haben die Betroffenen etwa ein Interesse, trotz ihres Leidens an der Neurodermitis festzuhalten?

Falls Sie an dieser Stelle innerlich rebellieren, denken Sie bitte daran: Auch ich war eine von denen. Auch ich habe 30 Jahre gebraucht, habe immer wieder etwas probiert, es verworfen, dann abgewartet und ausgehalten, schließlich einen neuen Versuch gemacht. Versuch – wozu genau? Dass ein Wunder geschieht und alles Leiden verschwindet. Ich habe geglaubt, vertraut und wurde enttäuscht. Das zermürbt und macht misstrauisch. Aber erst mit 32 war ich bereit, die Verantwortung zu übernehmen und mich dem zu stellen, was notwendig war, und dies war mehr, als ein Mittel einzunehmen. Viel mehr! Nämlich zu begreifen, was in mir und meinem Leben los war, was schieflief und was folglich nur ich selbst verändern konnte.

Heilung hat viel mit Eigenverantwortung zu tun

Als Kind, erinnere ich mich, hoffte ich auf einen wissenschaftlichen Bericht, welcher besagte, Schokolade in unbegrenztem Maße zu konsumieren, wäre gesund. Ich wusste tief in mir, dass es diesen Bericht nicht geben würde, aber ich hoffte auf ihn und tat vorsorglich schon einmal so, als wäre er bereits erschienen. Ähnlich geht es vielen Kranken. Etwas in ihnen weiß, sie könnten ihre Gesundheit wieder herstellen. Sie wissen wahrscheinlich nicht, wie, aber sie ahnen, dass es gehen könnte. Sie spüren aber auch, dass dies unbequem werden würde. Und vielleicht deshalb halten sie ihre Symptome lieber aus, machen „Unheilbar“ zu ihrem Credo und alles bleibt, wie es ist.

Aus eigener Erfahrung weiß ich: Es wird unbequem – aber nur aus der aktuellen Sicht. Im Nachhinein wird es herrlich, frei, unbeschwert und die Frage taucht auf: „Wie konnte ich nur so lange in dieser Krankheit feststecken?“

Aber wir müssen verstehen – und dies ist bitter –, welche Ängste sich im Laufe einer solchermaßen einschränkenden und stigmatisierenden Krankheit bilden. Angst vor dem Alltag, vor dem Duschwasser auf der Haut, vor der Nacht, in der man keinen Schlaf findet und sich blutig kratzt, vor dem zermürbten Gefühl am Morgen, wenn man endlich nur noch schlafen will und trotzdem in den Tag starten muss, Angst vor dem ersten Blick in den Spiegel, der zeigt, wie schlimm man heute aussieht, vor den Begegnungen mit Menschen, Bekannten wie Unbekannten, dem Gefühl, angestarrt und bewertet zu werden, vor den Schmerzen der Haut während des Tages und all den kleinen Situationen, die das normale Leben kompliziert machen. Wie kann ich noch irgendetwas mehr ertragen?, lautet die innere Frage, die jegliches Aufrütteln von sich weist. Nein, das überfordert mich. Wie kannst Du es wagen!

Denn dies findet auch statt und man muss es sehen, damit das Bild vollständig wird. Wann immer ich als Kranke(r) keine Lust habe, mich einer Situation oder Herausforderung zu stellen, kann ich, wenn es mir schlecht genug geht, meine Haut als Ausrede vorschieben. Dieses Verhalten automatisiert sich in einem Maße, dass man es selbst kaum oder gar nicht mitbekommt. Man leidet so sehr, dass man sein Umfeld mit dem eigenen Opferbewusstsein tyrannisiert: Mir geht es so schlecht, wie kannst Du dieses nicht für mich tun oder mir antun, jenes zu tun? Wir kannst Du von mir fordern, dass ich … tue oder sogar, dass ich mich heile?! Siehst Du nicht, wie ich leide? Daran kann ich nichts ändern!

Krankheit schafft auch Vorteile und diese halten in der Krankheit fest

Diese Haltung ist nachvollziehbar, doch sie zementiert die Neurodermitis. Die Krankheit gibt dem Leben der Takt vor, statt dass der Betroffene sein Leben bestimmt. Und sie wird gebraucht, weil das krankhafte Verhalten zur Norm geworden ist, für die der oder die Betroffene keine Alternative mehr sieht – vor allem dann, wenn er oder sie diese Alternative nie kennengelernt hat. Gerade im menschlichen Miteinander bestimmt die Neurodermitis, wie viel Nähe und Freiraum gelebt werden. Auch berufliche oder soziale Herausforderungen lassen sich hervorragend abschmettern.

Falls Sie denken, ich wüsste nicht, wovon ich schreibe: Ich habe meine Neurodermitis-Haut vor mir selbst und vor anderen als Grund benutzt, um berufliche Möglichkeiten auszuschlagen, um tiefe, verbindliche Beziehungen zu vermeiden und manchmal auch nur, um eine Einladung absagen zu können. Ich hatte gute Voraussetzungen, beruflich und privat erfolgreich zu werden, und habe sie mir lange verbaut. Selbst! Aus Angst, mich zu messen und zu scheitern. Aus Angst, abgelehnt zu werden oder festzustecken. Aus Angst, mich zu zeigen. Die Krankheit war ein hervorragendes, bewährtes Mittel dazu.

Gesehen habe ich dies damals natürlich nicht. Ich sehe es, seit ich mich für die Heilung entschieden habe und mir über mich selbst klargeworden bin. Ich sehe auch, dass meine damaligen Ängste Illusionen waren insofern, als das, was ich fürchtete zu erleben, weit weniger realistisch war als das, was ich mir tatsächlich vorenthalten habe: wahrhaftige, liebevolle Begegnung in Beziehungen und Freude am beruflichen Ausprobieren, Scheitern und Neubeginn. Heute findet all dies in meinem Leben statt bei gesunder Haut, die allerdings Zeichen der 30-jährigen Zerstörung trägt.

Jetzt möchten Sie vielleicht einwenden, dass doch schon Kinder Neurodermitis haben und sie doch nicht schuld daran sein können. Natürlich nicht, um Schuld geht es nicht. Ich habe von den Krankheitsvorteilen gesprochen, die im Laufe der Neurodermitis entstehen. Diese erhalten eine chronische Erkrankung mit aufrecht. Der Ausbruch der Krankheit hat andere Ursachen. Aber natürlich stehen wir in jedem Lebensalter vor Herausforderungen und altersgerecht meistern wir diese oder wir umgehen sie.

Als ich mit 12 Jahren vor der Aufgabe stand, mich nach einem Umzug in eine neue Umgebung einzugewöhnen, erklärte ich mich dazu nicht bereit. Mir missfiel das Neue und ich wehrte mich, hauptsächlich über die Haut. Dies änderte aber nichts. Im Gegenteil:  Als Folge meiner inneren Abwehr wurde ich von meinen Mitschülern weitgehend links liegen gelassen. Eine unschöne Erfahrung. Ich war zu jung, allein zurück in meine Heimat zu gehen, also hieß die Aufgabe, mich zurechtzufinden. Dazu sah ich mich erst viel später im Stande.

Ein falsch interpretiertes Unheilbar kann zur Unheilbarkeit führen

Das kann ja alles sein, aber bei mir sieht es ganz anders aus, meinen Sie? Ihre Lebenssituation ist sicherlich anders und ihre Persönlichkeit auch, aber die Mechanismen der Neurodermitis werden ähnlich sein. Wollen Sie gesund werden? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, was hindert Sie?

Eines ist sicher: Mit dem Gedankengut, mit dem wir während einer Krankheit leben, können wir nicht gesund werden. Wir brauchen etwas Neues, müssen anders an die Neurodermitis und an uns selbst herangehen, um eine Veränderung in Richtung Heilung zu bewirken. Hierin liegt die Chance: die Gedanken-, Gefühls- und Verhaltensmuster hinter der Neurodermitis zu erkennen, die wahren Bedürfnisse wieder zu erfühlen und diesen entsprechend neu zu denken, zu fühlen und zu handeln – neu zu leben. Dieser inneren Abweichung vom Idealzustand entspricht die Abweichung der Haut vom Normalzustand. Wie, meinen Sie, wirkt es sich auf die Haut aus, wenn Betroffene so leben, wie es ihnen wirklich entspricht?

Die Chance der Neurodermitis besteht darin, dass sie sichtbar und unverkennbar auf genau das hindeutet, was verbessert werden möchte. Dies zu sehen und zu verstehen, ist ein wesentlicher Schritt, um heil zu werden. Mit heil meine ich kohärent, also meiner wahren Natur, meinen Zielen und tatsächlichen Bedürfnissen entsprechend.

Eine große Furcht von Neurodermitis-Betroffenen ist allerdings, dass man ihnen etwas andrehen wolle. Auch darin zeigt sich die Misere: Es gibt sicherlich unseriöse Angebote, weil die Verzweiflung der Betroffenen ausgenutzt wird, die zwischen Leiden und Hoffen hin- und herpendeln. Darüber hinaus haben die Betroffenen aber neben der wahrhaftigen Schau in sich selbst anscheinend auch den Zugang zu ihrer inneren Stimme verloren. Diese würde ihnen bedeuten, wo sie vertrauen können und wo nicht. Zermürbt von der Krankheit, die so willkürlich auf- und abklingt, agieren sie statt besonnen gar nicht oder ohne Bedacht. Auch bei mir war dies so; die Kraft fehlte, mich in Ruhe auseinanderzusetzen. Deshalb muss, bevor es zur Heilung kommen kann, erst einiges begriffen und geordnet werden.

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