Nicht jeder erzielt einen Therapieerfolg – dies hat Gründe

Je schlechter es uns geht, desto inständiger hoffen wir, dass uns geholfen wird. Je mehr wir schon probiert haben, um ein Problem zu beheben, desto weniger vertrauen wir einem weiteren Lösungsversuch. Wer dennoch vor dem Schritt in eine neue Therapie steht, der hört in sich, leise oder laut, diese Stimme: Hoffentlich bringt es etwas! Und was, wenn nicht? Nicht zuletzt ist dies auch der Wunsch der Therapeut/in. Doch wovon hängt es ab, ob der Therapieerfolg eintritt und die Therapie konkrete Beschwerden zu lösen hilft? Woran liegt es also, wenn sie scheitert?

Am Therapeuten!, wird beinahe jede Klient/in sagen. Diese Einschätzung höre ich oft im Anamnese-Gespräch, wenn ich nach bisherigen Therapien frage: Es ging nicht tief genug. Wir haben den Kern des Problems nicht gefunden. Ich fühlte mich nicht wahrgenommen. Ich konnte mit dem Therapieansatz nicht umgehen. Aber auch: An einem bestimmten Punkt breche ich immer ab. Etwas in meinem Leben kam dazwischen, dann habe ich nicht mehr weitergemacht.

Eine Grundvoraussetzung ist, dass die Therapeut/in ihr Handwerk versteht. Dazu gehört, dass sie oder er das Problem des Menschen begreift, der Hilfe sucht. Hierbei kann es sich um etwas Anderes, Tieferes handeln, als die Klient/in sagt, dass sie habe. So liegt unter einem Körpersymptom oft ein psychisches Thema, vor allem ein Beziehungsthema, oder auch ein anderes körperliches Problem, z. B. ein gestörtes Darmmilieu. Hinter Partnerproblemen verstecken sich gerne Konflikte mit den eigenen Eltern und der noch fehlende Schritt in die volle Eigenverantwortung. Bei finanziellen und beruflichen Krisen spielen Lebensaufgabe, Selbstwert und das eigene Energieniveau eine große Rolle. Doch worum es genau geht, muss eruiert werden, damit die Ursache des Problems erkannt und behoben werden kann. Wer als Therapeut/in zu oberflächlich oder zu ungenau nachfragt, wird während der Therapie wahrscheinlich in die falsche Richtung oder nicht tief genug steuern. Die Klient/in behält in diesem Fall ihre Beschwerden.

Dass jede Therapeut/in gefordert ist, die Themen ihrer Klient/innen wertfrei zu betrachten und sie unabhängig von der eigenen Lebenserfahrung einer Lösung zuzuführen, die zu diesen Menschen passt, sollte selbstverständlich sein. Sonst würden Klient/innen motiviert, die Wege nachzulaufen, die ihre Therapeut/innen gehen, statt sich authentisch zu verwirklichen. Als Therapeut/in selbst das Leben erfahren zu haben, ist wichtig, um sich in andere Menschen einfühlen zu können, aber der eigene Horizont sollte nicht zum Maßstab für andere gemacht werden. Konkret wäre es z. B. zu einfach, jegliches Problem auf verdrängte sexuelle Triebhaftigkeit zurückzuführen; denn dadurch würden Menschen in ein Schema gepresst, aber nicht in ihrem individuellen Muster wahrgenommen. Eine Therapeut/in, die sexuelle Freizügigkeit persönlich für erfüllend hält, muss akzeptieren können, dass Menschen nach strengeren Werten leben möchten, und auch jenen helfen wollen.

Verantwortlich für die Therapieergebnisse ist zunächst die Therapeut/in

Ebenfalls muss die Therapiemethode stimmen. Diese hängt eng mit dem Problem und der Persönlichkeit der Betroffenen zusammen. Die Frage ist einerseits, auf welcher Ebene – Körper, Psyche/Seele, Geist, Energie – das zu lösende Thema hauptsächlich steckt, und wo andererseits der Betroffene am leichtesten zugänglich ist. Natürlich hängen alle vier Ebenen zusammen und am besten funktioniert i. d. R. ein multidimensionaler Ansatz. Doch spielt eine entscheidende Rolle, wie empfindsam ein Mensch emotional ist, welche Herrschaft über die eigenen Gedanken er oder sie bereits erlangt hat und wie gut das eigene Körperempfinden oder das energetische Gespür ausgeprägt sind. Sieht die Klient/in beispielsweise keine inneren Bilder, sollte die Therapeut/in ihr oder ihm über einen anderen Weg den Zugang zu sich selbst öffnen, statt Therapie davon abhängig zu machen, dass Bilder vor dem inneren Auge auftauchen. Dies gilt auf allen Ebenen: Die Klient/in kann, sofern sie sich nicht bewusst versperrt, nichts falsch machen. Sie ist, wie sie ist, und steht, wo sie steht, und sollte genau dort abgeholt werden. Entspannung, Körpergespür, Meditation etc. sind Übungssache und fallen den meisten Menschen gerade dann schwer, wenn sie akute Beschwerden haben. Umgekehrt hat jeder eine Sinneswahrnehmung, die ihm besonders liegt. Wir sprechen von visuellen, auditiven, haptischen und kinästhetischen Typen. Geschickte Therapeut/innen erkennen diesen Typus und nutzen ihn für die Therapie. Ferner leiten sie Menschen, deren Empfänglichkeit nicht zum eigenen Therapieangebot passt, an geeignete Kolleg/innen weiter.

Die Therapeut/in muss also ihre Arbeit gut machen. Für die Klient/in fühlt sich dies so an: Ich fühle, er oder sie weiß, was sie tut. Ich fühle mich mit meinem persönlichen Thema wahrgenommen und ernst genommen. Und: Ich spüre Verbesserung und dass ich ein klares Ergebnis erreiche. Denn um die Lösung des Problems geht es schließlich und die einfühlsamste, spannendste Therapie nützt nichts, wenn sie – à l’art pour l’art – alles beim Alten belässt. Damit sich etwas verändert, braucht die Therapeut/in Autorität, Überzeugungsfähigkeit, Durchsetzungskraft; denn damit bewegt sie ihre Klient/innen, die erforderlichen Schritte zu gehen. Sie weiß: Das Ego jedes Menschen scheut sich davor, Gewohnheiten aufzugeben. Es bedarf also einer stärkeren Kraft als dem Ego, damit etwas Gesundes wachsen und gedeihen kann.

Den Therapieerfolg gestaltet die Klient/in wesentlich mit

Doch am Therapieerfolg sind auch die Klient/innen maßgeblich beteiligt. Es genügt nicht, zu den Therapiesitzungen zu gehen und die Rechnungen zu bezahlen, also die eigenen Vertragspflichten zu erfüllen – zumindest nicht, wenn es sich um Therapie handelt, die das Bewusstsein der Betroffenen einbezieht. Es ist wichtig zu unterscheiden, dass man sich mit solch geringem Einsatz zwar auf eine Wellness-Liege legen und sich behandeln lassen kann, dass man aber gefragt ist mitzuhelfen, sobald man Leistungen in Anspruch nimmt, die Bewusstseinsschritte und Veränderungen anstoßen.

Worin besteht nun dieses Mithelfen? Es ist recht einfach: Therapie soll einen Missstand im Leben der Klient/in beheben, also etwas zum Besseren verändern helfen, und dies erfordert mehr als die bloße Arbeit der Therapeut/in. Diese macht Themen, Hintergründe und Ursachen sichtbar und unterstützt die Klient/innen dabei, das Neue, Bessere im Leben umzusetzen. Das Erkannte zu verwirklichen, liegt bei den Betroffenen selbst. Unterbleibt es, scheint die Therapie gescheitert. Tatsächlich aber scheitert die Umsetzung der Therapieergebnisse. Dies macht im Ergebnis zwar keinen Unterschied, wohl aber, was die Verantwortung für das Scheitern betrifft.

Konkret kann dies z. B. so aussehen: Die Therapie hat bei einem Menschen eine Störung des Urvertrauens aufgedeckt. In der Folge klammert sich der oder die Betroffene –  es kann sowohl eine Frau, als auch ein Mann sein! – zuerst an die Eltern, dann an die Lebenspartner/in. Das eigene Selbstwertgefühl ist gestört, was sich auch darin zeigt, dass berufliche Chancen vertan werden, um sich nicht zeigen und prüfen lassen zu müssen. Die Therapie hilft nun dabei, diesen Menschen so selbstsicher, mutig und eigenständig zu machen, dass er oder sie das eigene Leben in die Hand nehmen und ausleben kann. Dies muss der oder die Betroffene üben – in den eigenen Gedanken und Gefühlen und in konkreten Situationen; denn von heute auf morgen finden tiefgreifende innere Veränderungen nur in Ausnahmefällen statt. Übt der- oder diejenige aber nicht, weil das Üben als zu beschwerlich empfunden wird oder die Disziplin fehlt oder der Wunsch, sich zu verbessern, zu schwach ausgeprägt ist, dann wird das alte Muster fortbestehen. Offiziell heißt es dann: Die Therapie hat mir nichts gebracht. Eigentlich müsste es aber heißen: Das Therapieergebnis stimmt. Leider kann ich mich nicht aufraffen, es umzusetzen. Und die Verantwortung dafür lehne ich ab zu übernehmen, sondern laste sie der Therapeut/in an.

Vertrauen und Kommunikation sind der Schlüssel

Weniger drastisch, aber umso bedauerlicher ist es, wenn sich die Klient/in nach der Therapie, also während sie die Ergebnisse umsetzt und ihre Veränderung gestaltet, im Alltag verhakt und stagniert. Dies kann daran liegen, dass sie aus dem eigenen Umfeld zu starken Gegenwind zu ihrem neuen Weg bekommt oder dass zusätzliche Schwierigkeiten in ihrem Leben auftauchen, die ihre Kraft und Aufmerksamkeit beanspruchen oder dass sie in Situationen schlicht nicht weiterweiß. Richtig wäre es jetzt, sich an die Therapeut/in zu wenden, die oft mit einem kleinen Eingriff helfen kann, indem sie beispielsweise das Übungsprogramm anpasst oder an die Therapieergebnisse erinnert, um die Klient/in auf ihrem Weg zu bestärken. Doch viele Klient/innen schämen sich an dieser Stelle und schweigen, weil sie meinen, sie versagten. Dies ist niemals der Fall. Eine weitsichtige Therapeut/in ermuntert zur Kontaktaufnahme oder fragt selbst einmal nach, wenn Rückmeldungen ausbleiben. Sie kommuniziert: Du darfst so komplex und schwierig sein, wie Du bist, und Dein Leben so überraschend und wechselvoll, wie es will – Du bist damit immer richtig. Dein Thema bleibt lösbar und Du bist mir nie zu viel (bzw. falls doch, übergebe ich Dich in kompetente fachliche Hände).

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass im Laufe der Therapie – damit ist der Veränderungsprozess der Klient/in gemeint und nicht nur die reinen Therapietermine – die Verantwortung von der Therapeut/in auf die Klient/in übergeht. Während zu Beginn die Therapeut/in die Führung in der Hand hält und deutliche Vorgaben macht, auf welche sich die Klient/in einlässt, zieht sich die Therapeut/in mehr und mehr aus dem Geschehen zurück und ermuntert die Klient/in, die aktive Rolle für sich selbst zu übernehmen. Jene bleibt im Hintergrund verfügbar, falls sie noch gebraucht wird. Dieses Zusammenspiel basiert, wie jede funktionierende Beziehung, auf gegenseitigem Vertrauen und klarer Kommunikation.

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